Die Kornrade (Agrostemma githago L.) gehört zu den Ackerunkräutern der Getreidefelder und damit zur sogenannten Segetalflora (lat. seges - Saat, Acker). Die hierzu zählenden Pflanzengesellschaften gibt es in Deutschland infolge der intensiven Bewirtschaftungsmethoden (z.B. Einsatz von Herbiziden) kaum noch. Die Kornrade, ein Nelkengewächs, gehört zu den schönsten Elementen dieser Segetalvegetation. Früher wurden ihre purpur-violetten Blüten in Kränze eingeflochten, worauf schon der Name hinweist: 'Agrostemma' bedeutet etwa 'Feldkranz' oder 'Feldkrone'. Der Name 'githago' bezieht sich auf die (nicht sehr deutliche) ähnlichkeit mit dem Schwarzkümmel (Nigella sativa), der bei PLINIUS als 'gith' bezeichnet wurde. Der deutsche Name 'Rade' ist in seiner Herkunft unsicher: er könnte sich auf die rote Farbe beziehen (vgl. engl. red, schwed. röd, lat. rutilus) oder aber auf die Bekämpfung der Pflanze durch Ausreißen (das alte 'raden' für ausreißen, ausreutten). Und dieses Ausreißen war nötig, denn die Kornrade ist aufgrund ihres Gehalts an Saponinen sehr giftig. Besonders gilt dies für die Samen (3-5 Gramm gelten als tödliche Dosis für den Menschen), die früher als Verunreinigung des Brotgetreides sehr gefürchtet waren und lepraähnliche Symptome hervorgerufen haben.
In besonderer Weise hat sich die Kornrade an ihr Dasein als Getreideunkraut angepasst - die Kapselfrüchte öffnen sich kaum, so dass die Samen erst beim Dreschen des Getreides freigesetzt werden. Hinsichtlich ihrer Größe unterscheiden sie sich kaum von den Getreidekörnern und können deshalb nur schwer von diesen getrennt werden. Darüber hinaus verlieren die Samen ihre Keimfähigkeit im Erdboden bereits nach wenigen Monaten, so dass sie darauf angewiesen sind, alljährlich mit dem Getreide zusammen ausgesät zu werden. Erst nach dem Beginn der Saatgutreinigung nahmen die entsprechenden Erkrankungen deutlich ab. Früher - wie die Getreideunkrautflora insgesamt (mit Kornblume, Feld-Rittersporn, Gelber Wucherblume u.a.) - war sie viel häufiger; einer Flora der Pfalz von 1846 kann man entnehmen: 'Aecker, unter der Saat fast überall'. Heute dagegen gilt sie als akut vom Aussterben bedroht. Die Kornrade stammt wohl aus dem Bereich des 'Fruchtbaren Halbmondes' und des südöstlichen Mittelmeergebiets; als Wildpflanze ist sie allerdings nicht bekannt. Heute ist sie weltweit verbreitet. Schon in der Steinzeit kam sie mit dem Getreideanbau nach Mitteleuropa, wo sie heute fast nur noch in Botanischen Gärten oder Museumsdörfern anzutreffen ist.
Aber vielleicht ist ihr eine Zukunft beschieden: wie man in den letzten Jahren herausgefunden hat, schädigt das Gift der Kornrade Ackerschädlinge (z.B. das Rübenzystenälchen),. Möglicherweise wird man die Kornrade also einmal als Zwischenfrucht auf den Feldern sehen können.
Sehr empfehlenswert ist das Büchlein von LOKI SCHMIDT, Initiatorin der Aktion 'Blume des Jahres' und Ehrenmitglied des 'Freundeskreises des Botanischen Gartens der TU Darmstadt': Die Blumen des Jahres.- Hoffmann und Campe, 127 S.