Mandragora L. -Alraunpflanze
Zur Gattung Mandragora L. (Solanaceae - Nachtschattengewächse) gehören insgesamt etwa 6 Arten vom Mittelmeergebiet bis zum Himalaja. Die beiden kulturgeschichtlich wichtigsten Arten sind Frühlings->Alraune (M. officinarum L.) und Herbst-Alraune (M. autumalis BERTOL.). Die Rosettenpflanze verfügt über eine verzweigte Rübenwurzel (Alraune), die oftmals eine mehr oder weni-ger menschenähnliche Gestalt zeigt, weshalb sie Pythagoras zu Antropomor-phen, also dem Menschen verwandte Pflanzen rechnet (Abb. 2). Im Arzneibuch De materia medica des DIOSKORIDES (1. Jahrhundert n. Chr.; bis ins 17. Jahrhundert unumstößliche Grundlage der Arzneimittellehre und der Botanik) heißt sie bereits Mandragoras melas.
Die Pflanzen enthalten eine Mischung verschiedener Alkaloide (Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin), weshalb sie als Zauber- und Hexenpflanzen seit alters her in Gebrauch waren. Die einschläfernde Wirkung der Beerenfrüchte spiegelt sich in der lateinischen Redewendung mandragoram bibere - Man-drogora trinken für träge sein in seinen Geschäften wider. M. turcomanica MIZGIR. war möglicherweise die Quelle der geheimnisvollen Droge Soma des
indo-iranischen Kulturraums. Im
alten Ägypten wurden sie wohl angebaut, denn sie war dort niemals
heimisch und man fand Früchte
und Erntedarstellungen u.a. im
Grab des Tut-Ench-Amun (Abb. 1).
Im germanischen Kulturraum galten
die Wurzeln neben ihrer medizinisch-zauberischen Anwendung als Glücksbringer; noch
bis in unser Jahrhundert wurden Alraune als
Galgenmännlein vom Vater an den jüngsten Sohn
weitergegeben (oftmals bekleidet und in einem besonderen
Kästchen verwahrt). Alraune waren sehr teuer und
wurden oft verfälscht (z.B. durch Karotten oder Zaunrüben).
Noch in den fünfziger Jahren wurde gegen Zigeunerinnen
verhandelt, die oberbayerischen Bäuerinnen falsche Alraunen verkauft hatten.
Alraun leitet sich (wie die Bezeichnung Runen für die Schriftzeichen) vom nordischen runa - heimlich flüstern und von althochdeutsch alp - Angsttraum ab.
Standort im Garten: Kastenquartier
Text:Dr. Stefan Schneckenburger, Photos: D. Kramer, © Botanischer Garten TU Darmstadt