Loasaceae - Blumennesselgewächse

Caiophora lateritia
Die Familie der Blumennesselgewächse oder Loasaceae umfaßt etwa 14 Gattungen mit etwas mehr als 200 Arten, die bis auf die beiden Arten der Gattung Kissenia R. BR. (S-Arab.; SW-Afr.) in Amerika von Kalifornien bis Patagonien mit einem besonderen Schwerpunkt in den Anden verbreitet sind. Zahlreiche Arten besitzen aufregend schöne Blüten. Allerdings sollte man sich ihnen nicht allzu stürmisch nähern, denn unter den meist zahlreich vorhandenen, sehr vielgestaltigen und meist starren Haaren sind bei vielen Vertretern auch unangenehme Brennhaare. Diese Tatsache hat wohl auch eine weitere Verbreitung der bei uns meist einjährig kultivierten Arten in den Gärten verhindert. Die vielfach auffälligen Blüten (bes. innerhalb der Unterfamilie der Loasoideae) besitzen eine vier- oder fünfzählige Blütenhülle und einen ebensolchen unterständigen Fruchtknoten, der zu einer Kapsel reift. Diese kann keulig bis kugelig sein; vielfach ist sie in sich verdreht. Die Kronblätter sind oftmals kahnförmig und bergen jeweils ein Büschel von Staubblättern, die sich nacheinander aufkrümmen und auf diese Weise den Pollen exponieren. Vor diesen Staubblattbüscheln liegen außerordentlich kompliziert gebaute und auffällig gefärbte Gebilde. Es handelt sich hierbei um die nektarproduzierenden Organe der Blüten, sog. Nektarien. Diese sind aus der Verwachsung von sterilen Staubblättern (sog. Staminodien) entstanden. Je nach Gattung sind jeweils verschieden viele Staminodien in die Bildung eines solchen Nektariums einbezogen. Die Blüten werden in der Regel von Insekten bestäubt; auch bei uns ziehen sie in großer Zahl Schwebfliegen, Honig- und andere Bienen etc. an. Bei einer Loasa-Art wurde im vergangenen Jahr durch A. COCUCCI in N-Argentinien eine Bestäubung durch Feldmäuse beobachtet. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Loasaceae sind unsicher; heute stellt man sie innerhalb der Ordnung der Violales in die Nähe der Begoniaceae (Begoniengewächse) und der Cucurbitaceae (Kürbisgewächse).
Standort im Garten: Verschiedene Loasaceae in der Systematischen Abteilung; Text: Dr. Stefan Schneckenburger, Foto: Dr. Detlef Kramer, ©: Botanischer Garten TU Darmstadt