Weder eine Palme noch ein Farn:Cycas circinalis

der 'Palmfarn' und seine Verwandtschaft

An der Spitze eines kurzen, gedrungenen Stammes entwickelt sich derzeit bei Cycas circinalis L. (Heimat: S.Indien, Ceylon, W-Malaysia, Taiwan, Philippinen; in fast allen tropischen Gebieten durch den Menschen eingebürgert) eine große, zapfenförmige Blüte. Es handelt sich um eine männliche, nur aus Staubblättern gebildete Blüte. Diese sind lanzettlich, besitzen eine oft hakenförmig gekrümmte Spitze und tragen auf ihrer Unterseite jeweils Hunderte von Staubbeuteln, die den Blütenstaub erzeugen. Bei großen Exemplaren wurden Blütenlängen von über 60 cm festgestellt! Wie andere Vertreter der Pflanzengruppe der Cycadeen ist C. circinalis zweihäusig; die Fruchtblätter werden also an anderen Pflanzen gebildet. Blütenstaub wird in großer Menge erzeugt und durch den Wind übertragen (Windblütigkeit = Anemophilie). Allerdings spielen nach neueren Untersuchungen auch Insekten (hauptsächlich pollenfressende Käfer) eine Rolle als Bestäuber (Käferblütigkeit = Cantharophilie). Angelockt werden sie durch Duft und zusätzlich noch eine Wärmeentwicklung (Thermogenese) im Bereich der Staubblattblüte. Bei der Befruchtung zeigen sich die Cycadeen als ursprüngliche Samenpflanzen: nur hier und beim Ginkgobaum (Ginkgo biloba) finden sich begeißelte, frei bewegliche männliche Geschlechtszellen (Spermatozoiden; vgl. Figur in der Karte; nach CAMBERLAIN 1935) und erinnern somit an die Verhältnisse bei den Farnen, den Farnartigen und Niederen Pflanzen.

Cycas revoluta Zusammen mit den Coniferen (Nadelhölzen), dem bereits genannten Ginkgo biloba und einer Gruppe aus drei wenig umfangreichen, isolierten Gattungen (Welwitschia, Ephedra und Gnetum) bilden die vier Familien der Cycadeen die Gruppe der Nacktsamer (Gymnospermen). Diese sind dadurch charakterisiert, daß die Samenanlagen und später die Samen 'nackt' sind, d.h. nicht von Fruchtblättern umschlossen werden. Zu den Cycadeen gehören nach heutigen Kenntnissen 11 Gattungen mit etwa 120 Arten. Ihre Namen und Verbreitung entnehme man der Karte (nach READ & SOLT 1986).

Aufgrund der Wuchsform und des Aussehen hat sich im Deutschen der unzutreffende Ausdruck 'Palmfarne' eingebürgert. Weder handelt es sich bei diesen, bereits im Erdmittelalter zur Zeit der Saurier nachgewiesenen Gruppe um Palmen (diese gehören zu den Bedecktsamern mit von Fruchtblättern umschlossenen Samen), noch um Farne (diese erzeugen keine Samen, gehören also nicht zu den Samenpflanzen).


Standort im Garten: im Mittelbeet des Bromelien und Palmfarnhauses.
Text: Dr. Stefan Schneckenburger; Foto: Dr. Detlef Kramer; © Botanischer Garten TU