Decaisnea fargesii (Lardizabalaceae) - Blaugurke

Decaisnea fargesii
Decaisnea fargesii
Neben den großen, durch ihre unscheinbare Färbung aber wenig auffallenden Blüten zeigt der Blaugurkenstrauch im Spätherbst seine auffallenden Fruchtstände. Nahe beieinander stehen jeweils meist drei blauviolette, weiß bereifte gurkenähnliche Gebilde. Jede dieser Gruppen stellt eine Frucht im Sinne der allgemeinen Definition der Frucht als Blüte im Zustand der Samenreife dar. Die meist drei Fruchtblätter einer Blüte sind nämlich nicht bzw. nur an der Basis miteinander verwachsen und bilden also keinen Fruchtknoten wie beispielsweise bei der Tulpe (man spricht von einem apokarpen Gynoeceum). Sie entwickeln sich getrennt zu 'Früchtchen'. Ein solches 'Früchtchen' entspricht also einem Fruchtblatt im Reifezustand. Die Außenhülle ist ledrig und öffnet sich auf leichten Druck entlang der Bauchnaht. Im Inneren finden sich zahlreiche in eine schleimige Gallerte eingebettete Samen. Die verschiedenen Autoren charakterisieren sie einerseits als Bälge (Hülle ledrig, sich öffnend) bzw. als Beere (wegen des fleischig/saftigen Inneren und der späten Öffnung). Zur Familie der Lardizabalaceae gehören 8 Gattungen mit etwa 35 Arten vom Himalaya bis O- und SO-Asien. Ein kleines Teilareal findet sich in Chile (3 Arten in 2 Gattungen). Sie gelten als altertümlich und werden zur Verwandtschaft um die Hahnenfußgewächse gerechnet. Innerhalb der Familie wird Decaisnea (mit nur einer strauchigen Art in W-China) als ursprünglichste Gattung angesehen; bei allen anderen Vertretern handelt es sich um Kletterpflanzen (so auch Akebia, mehrfach im Garten an Zäunen oder Sinofranchetia im Innenhof).

In der Namensgebung der Blaugurke versammeln sich auf allen taxonomischen Ebenen die Widmungen: die Familie der Lardizabalaceae (mit ihrem fast unaussprechlichen Namen) erinnert an Miquel Lardizabal y Urribe, einen spanischen Förderer der Wissenschaften des 18. Jahrhunderts, die Gattung Decaisnea an Joseph Decaisne (1807-1882), einen belgisch-französischen Botaniker und Agronomen (und dem ersten Bearbeiter der Familie) und das Epitheton an Paul Farges (1844-1912), einen französischen Missionar und Pflanzensammler in China.


Standort im Garten: Mehrfach; u.a. System in der NŠhe der Banane und gegenüber der gro§en Blutbuche. Text: Dr. Stefan Schneckenburger, Foto: Dr. Detlef Kramer, ©: Botanischer Garten TU Darmstadt, September 2002
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