Jedem Reisenden ins Mittelmeergebiet wird der Riesenfenchel aufgefallen sein, dessen bis über 3m hohen Blüten- oder Fruchtstände nicht zu übersehen sind. Diese zu den Doldenblütlern (Umbellifereae oder Apiaceae) gehörende Pflanze kommt an Straßenrändern oder in der Nähe von Siedlungen vor und bevorzugt als Untergrund Kalk.
Die fenchelähnlichen Blätter sind fein zergliedert und besitzen auffallend große Blattscheiden. Die obersten Blätter sind sogar bis auf die Blattscheiden zurückgebildet - hier der Regel gehorchend, dass die zuletzt angelegte Blattspreite (hier fein zerteilt) vor den früher angelegten Strukturen der Blattbasis (Blattscheide) reduziert wird. Die gelben Blüten stehen in großen Blütenständen, die
aus einzelnen kugeligen Teilinfloreszenzen zusammengesetzt sind. Jede dieser Teilinfloreszenzen stellt nun keine Dolde, sondern eine sog. Doppeldolde da - jedes ihrer Bauelemente ist schon für sich eine Dolde - ein typischer Fall für die Doldenblütler (z.B. Sellerie oder Karotte).
Die Stängel der Blütenstände wurden seit dem Altertum einerseits als Spazierstöcke genutzt, andererseits verwendete man sie, vor allem, wenn sie in Wasser eingeweicht waren, zur Züchtigung von Sklaven. Bei Kindern verfuhr man da vielleicht etwas zurückhaltender: man prügelte mit trockenen Stängeln, was nicht so schmerzhaft, aber geräuchvoll gewesen sein soll. Das hat sich im lateinischen ’ferula minaces' - Drohungen oder ’ferire - schlagen, töten, hinrichten' niedergeschlagen. Wesentlich friedlicher war eine weitere Verwendung: das lockere Mark diente als Zunder beim Feueranmachen oder beim Transport von Glut; diese Verwendung ist für Sizilien noch bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts dokumentiert. Das Mark verglüht nur langsam unter Hinterlassung der Leitbündel. Die Mythologie nimmt auf diese Verwendung Bezug, indem sie Prometheus, Helfer der Menschen und Gegner der Götter, letzteren das Feuer in einem Ferula-Stängel vom Olymp rauben und den Menschen bringen lässt. Für diese Tat büßte Prometheus hart - Zeus ließ ihn an einem Felsen im Kaukasus anschmieden, wo ihm ein Adler täglich bei lebendigem Leib die Leber herauspickte, die des Nachts wieder nachwuchs. Den Menschen wurde von Zeus übrigens Pandora geschickt, die in einer Büchse alles Leid auf die Erde brachte. Der den Bacchanten, dem Gefolge des Bacchus zugeordnete Thyrsustab war ein Pinienzapfen (Symbol der Fruchtbarkeit und Männlichkeit) an der Spitze eines Stängels des Riesenfenchels, umwunden mit Efeu und Weinlaub.
Eine Nutzung als Gewürz oder Medizin kommt Ferula communis nicht zu; andere Arten der etwa 172 Spezies umfassenden Gattung sind wichtige Lieferanten von Arzneistoffen und pflanzlichem Gummi.
Standort im Garten: Mittelmeerbeet