Flugfrüchte bei der Wunderblume Mirabilis viscosa

Mirabilis viscosa
Mirabilis viscosa

Bekannt sind aus der Familie der Wunderblumengewächse (Nyctaginaceae) neben der namensgebenden Gattung Mirabilis - Wunderblume vor allem die Bougainvilleen (vgl. das entsprechende Blatt dieser Serie). Ein Bearbeiter der Familie schrieb vor fast 115 Jahren: 'Die Blüten der Nyctaginaceae bieten so viel Merkwürdiges, dass sie in dieser Hinsicht eine der interessantesten Familien des Pflanzenreichs darstellen.' Eine dieser Merkwürdigkeiten soll hier vorgestellt werden: Zur Gattung Mirabilis gehören neben der Garten-Wunderblume M. jalapa noch insgesamt etwa 50 weitere Arten, die von den südwestlichen USA bis nach S-Amerika verbreitet sind. Am Beispiel von M. viscosa soll der Blütenbau geschildert werden: Ihre Blüten besitzen - wie die anderen Gattungsvertreter eine eingliedrige Blütenhülle. Das heißt, diese ist nicht in Kelch und Krone gegliedert. Aus vergleichend-systematischen Gründen nimmt man an, dass das Übriggebliebene dem Kelch entspricht und eine Krone nicht ausgebildet wird. Auf der Außenseite zeigt diese aus fünf miteinander verwachsenen Blättern (sog. Tepalen) bestehende Blütenhülle entlang der Nerven fünf grüne, spitz zulaufende grüne Flächen, zwischen denen magentafarbenen Flächen gewissermaßen ausgespannt sind. Oberhalb des oberständigen Fruchtknotens zeigt sie eine deutliche Einschnürung. Unterhalb der Blüte finden sich fünf kelchblattähnliche Gebilde, die einen Hüllkelch (Involukrum) darstellen. Es entspricht demHüllkelch des Blütenstands bei Bougainvillea - nur dass sich innerhalb des Involukrums bei den bekannten Gartenbougainvilleen drei Blüten finden ('Drillingsblume'). Die magentafarbene Blütenhülle fällt nach der Blüte fast völlig ab; nur an der Basis verbleibt der unterhalb der Einschnürungsstelle gelegene Teil, der verholzt und der den Fruchtknoten fast völlig umschließt. Dadurch wird der einzige Same vom Fruchtknoten und diesem Gebilde, das in älteren Literatur als Anthocarp (etwa 'Blütenfrucht') bezeichnet wird, eingeschlossen. Es ist oftmals entlang der fünf Nerven gerippt. Das Involukrum vergrößert sich stark und wird trockenhäutig. Im Zentrum dieses schirmähnlichen Gebildes findet sich die vom Anthocarp eingeschlossene Frucht. Ohne Zweifel dient der 'Schirm' als Flugeinrichtung zur Windverbreitung.


Standort im Garten: Systematische Abteilung. Text: Dr. Stefan Schneckenburger, Foto: Dr. Detlef Kramer, ©: Botanischer Garten TU Darmstadt, August 2002
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